Blick über die Schiraki-Hochebene
Die Deutsch-Kachetische Expedition ist seit 1994 im Osten Georgiens tätig. Unter Leitung von Prof. Dr. Andreas Furtwängler und Prof. Dr. Konstantin Picchelauri führen Archäologen und Studenten der Martin-Luther-Universität und des Deutschen Archäologischen Institutes in Zusammenarbeit mit georgischen Kollegen jährlich Ausgrabungen und Surveys durch.
Östliche Abbruchkante der Schiraki-Hochebene zum Alasani hin
 
Die Forschungen konzentrieren sich auf die Provinz Kachetien. Sie ist die östlichste Provinz des heutigen Georgien und wird im Norden durch die Berge des Großen Kaukasus, im Osten und Süden durch die Grenze zum heutigen Azerbajdshan begrenzt. Der geographische Charakter wird stark durch die in den Mingetschaur-Stausee mündenden Flüsse Iori und Alazani geprägt, die durch die Gombori-Bergkette voneinander getrennt sind.
  Die ersten archäologischen Untersuchungen der Deutsch-Georgischen Expedition in Kachetien fanden in Gumbati im unteren Alazanital statt. Sie widmeten sich Untersuchungen zum persisch-achaimenidischen Einfluss auf die kulturelle und materielle Entwicklung des alten Iberien (Ostgeorgien). Dazu wurden mehrere Grabungen und umfangreiche Surveys durchge-führt. Außerdem finden in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Zentrum in Tbilisi Symposien statt. So wurden in den Jahren 1998 und 2000 zwei Kongresse zum Thema "Iberien (Königreich Kartli) und seine Nachbarn in achaimenidischer und nachachaimenidischer Zeit” organisiert.
Blick von der Schiraki-Hochebene über das Alasanital auf den Großen Kaukasus
Im Anschluss konzentrierten sich die Forschungen vor allem auf die Untersuchung von Fundplätzen des 1. Jts. v. Chr. in der Schiraki-Ebene. Es handelt sich dabei um den östlichsten georgischen Landesteil, eine ca. 600 m ü. NN liegende Hochebene. Sie zieht sich auf einem schmalen Sporn entlang, der zwischen den Flusstälern des Iori im Süden und des Alazani im Norden verläuft. Die Ebene fällt nach Norden zum Alazani hin bis zu 350 m steil ab. Im Süden geht sie über mehrere Anhöhen hinweg allmählich in eine steppenartige, hügelige Landschaft über, die zum Iori führt. In ihren östlichen Ausläufern finden sich dagegen bizarr geformte Steilhänge, von denen aus man den Mingetschaur erblickt, der schon auf azerbajdshanischem Staatsgebiet liegt. Im Westen steigt das Areal wiederum steiler an und geht in die Gombori-Bergkette über, die die Ebene begrenzt. Der Zugang besteht hier lediglich aus einem engen Tal, der Uzun Dara-Pforte. Insbesondere waren Charakter und Typologie früheisenzeitlicher Siedlungen im Gebiet der Schiraki-Ebene, Siedlungsdichte und Art der Besiedlung im 1. Jts. v. Chr. die Schwerpunkte unserer Untersuchungen. Unter dieser Fragestellung haben bereits archäologische Ausgrabungen in den Siedlungen Noname Gora und Ciskaraant Gora sowie umfangreiche Surveys stattgefunden, die im folgenden kurz vorgestellt werden sollen. Für die kommenden Jahre sind Untersuchungen der Siedlung von Uzun Dara vorgesehen.
Schiraki-Hochebene nach Norden mit dem Großen Kaukasus im Hintergrund
 
Die Ergebnisse der Arbeit der Deutsch-Kachetischen Expedition wurden in zahlreichen Artikeln vorgestellt. Einige ausgewählte Fragestellungen sind die Grundlage für mehrere Dissertationen, die vom Lehrstuhl für Klassische Archäologie der Martin-Luther-Universität betreut werden.
Grabungsmannschaft 1995
 
Literatur:
A. Furtwängler, Gumbati. Archäologische Expedition in Kachetien 1994. EurAnt 1, 1995, 177-211; A. Furtwängler/F. Knauß., Archäologische Expedition in Kachetien 1995. EurAnt 2, 1996, 363-381; dies., Archäologische Expedition in Kachetien 1996. EurAnt 3, 1997, 353-387; A.E. Furtwängler/ F. Knauß/ I. Motzenbäcker, Archäologische Expedition in Kachetien 1997. EurAnt 4, 1998, 309-364; dies., Archäologische Expedition in Kachetien 1998. EurAnt 5, 1999, 233-270; A. Furtwängler u.a., Archäologische Expedition in Kachetien 1999-2001. EurAnt im Druck

Texte: Nadine Ludwig und Gundula Tauscher semurg@hotmail.com, lysipp@hotmail.com
Redaktion: Henryk Löhr, Heiner Schwarzberg loehr@altertum.uni-halle.de, heiner.schwarzberg@web.de
Gestaltung: Ralph Einicke einicke@altertum.uni-halle.de

Erstellt am 28.05.2003